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„Sie haben doch dieses Logo mit den Enten, stimmt’s?“

MerletteDiese Frage wird uns in der Gemeinde Reckange-sur-Mess ziemlich häufig gestellt. Diese drei Vögel fallen in unserer Gemeinde besonders ins Auge, da sie im Gemeindewappen zu sehen sind und wir sie in das Logo der Gemeindeverwaltung integriert haben. Der Einfachheit halber antworten wir oft mit „Ja!“ … aber das ist nicht ganz richtig. Ihnen ist sicher aufgefallen, dass unsere Enten weder Schnabel noch Füße haben … und dass es sich eigentlich gar nicht um Enten handelt.
Es handelt sich um „Merletten“, in diesem Fall um „Merletten de sable“: Eine Merlette ist eine verstümmelte Amsel, die häufig in der Heraldik, der Wissenschaft der Wappenkunde, vorkommt. Nach dem Adler ist sie der häufigste Vogel in mittelalterlichen Wappen. Seit der Heraldik des 12. Jahrhunderts verbreitete sich die Merlette in den Wappen Frankreichs und des Rheinlandes. Der Legende nach durften nur Ritter und ihre Nachkommen, die an den Kreuzzügen teilgenommen hatten, dieses Symbol tragen. Manchmal symbolisiert sie die auf den Reisen erlittenen Verletzungen. Sie kann den gefangenen oder auf dem Schlachtfeld getöteten Feind symbolisieren. Sie kann aber ebenso gut den vierten Sohn als Thronfolger symbolisieren.
Doch das ist, wie gesagt, nur der Legende zufolge so.

Hier kommt der Ort Wickrange ins Spiel. Wickrange wurde erstmals im Jahr 1922 urkundlich erwähnt. Der Ort wird durch ein silbernes Wappen mit drei schwarzen Merletten symbolisiert, die in das heutige Wappen der Gemeinde Reckange-sur-Mess eingeflossen sind. Die drei Merletten waren das Symbol des Zweigs der Familie von Meysembourg, der in der historischen Literatur oft mit der „Familie von Vicrange“ (oder Wickrange) in Verbindung gebracht wird, die auch als „Herren“ bezeichnet wurden. Zusammen mit der „Familie von Reckange“ und der „Familie von Limpach“ gehörten sie zu den bekanntesten Familien, die sich auf dem heutigen Gemeindegebiet niedergelassen hatten. Die Festungsanlage, zu der auch die Burg der Herren von Wickrange gehörte, befand sich im „Scheierdall“. Wir können also davon ausgehen, dass diese Familien selbst Ritter, Kreuzritter oder Nachkommen von Kreuzrittern (Ritter, die an den mittelalterlichen Kreuzzügen teilgenommen hatten) waren, die auf ihren Reisen in Gefangenschaft geraten waren. Oder aber Ritter, die den Feind auf dem Schlachtfeld besiegt hatten.

Quelle: Tessy Glodt, Gilbert Stull, Gemengebuet 3/2020